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ADAPT: Drei afrikanische Länder starten Aufbau digitaler Handelsinfrastruktur

ADAPT startet die Umsetzung in Kenia, Nigeria und Marokko. Mit TWIN und IOTA sollen digitale Identitäten, Handelsdaten und Zahlungen über Grenzen hinweg verbunden werden.

Von IOTA News
Digitale Afrikakarte mit vernetzten Ländern, Handelswegen und Symbolen für Unternehmensidentitäten, Dokumente und grenzüberschreitende Zahlungen.
Veröffentlicht:

Die Digitalisierung des afrikanischen Handels erreicht eine neue Phase. Mit Kenia, Nigeria und Marokko haben drei Länder begonnen, die Umsetzung der Africa Digital Access and Public Infrastructure for Trade (ADAPT) Initiative vorzubereiten und voranzutreiben. Das Vorhaben soll nationale Handelssysteme miteinander verbinden und den Austausch von Dokumenten, Unternehmensidentitäten und Zahlungen über Ländergrenzen hinweg vereinfachen.

Die Auswahl der drei Länder wurde am 19. Mai 2026 durch das Sekretariat der Afrikanischen Kontinentalen Freihandelszone (AfCFTA) bekannt gegeben. Die Initiative entsteht gemeinsam mit dem Tony Blair Institute for Global Change, dem World Economic Forum und der IOTA Foundation.

Die technische Grundlage bildet das Trade Worldwide Information Network (TWIN), das eine offene Infrastruktur für den vertrauenswürdigen Austausch von Handelsinformationen bereitstellt.

Nach der ursprünglichen Ankündigung im November 2025 steht nun die praktische Umsetzung in den ersten teilnehmenden Ländern im Mittelpunkt.

Kenia, Nigeria und Marokko bilden die erste Umsetzungsphase

Die drei Länder wurden nicht zufällig ausgewählt. Nach Angaben des AfCFTA-Sekretariats erfolgte die Auswahl anhand politischer Unterstützung, regulatorischer Voraussetzungen, technischer Bereitschaft und der Beteiligung des privaten Sektors.

Die unterschiedlichen wirtschaftlichen Strukturen sollen dabei helfen, ADAPT unter verschiedenen praktischen Bedingungen zu entwickeln und zu überprüfen.

Kenia bringt umfangreiche Erfahrungen mit digitalen Zahlungsdiensten und der Digitalisierung von Handelsprozessen ein. Bereits mit der Trade Logistics Information Pipeline (TLIP) wurden dort wichtige Grundlagen für den digitalen Informationsaustausch zwischen Unternehmen und Behörden geschaffen.

Nigeria gehört zu den größten Märkten Afrikas. Das Land verfügt über umfangreiche Handelsströme und eine Vielzahl unterschiedlicher regulatorischer und wirtschaftlicher Anforderungen. Dadurch bietet es eine wichtige Umgebung, um die Skalierbarkeit gemeinsamer digitaler Handelsstandards zu untersuchen.

Marokko ist ein bedeutender Logistikstandort mit Handelsverbindungen nach Europa und in andere afrikanische Regionen. Seine Hafeninfrastruktur und internationalen Transportwege ermöglichen es, unterschiedliche Anforderungen an digitale Handelsprozesse zu berücksichtigen.

Gemeinsam decken die drei Länder Ostafrika, Westafrika und Nordafrika ab.

Die Ergebnisse dieser ersten Implementierungen sollen später in die Ausweitung auf weitere Mitgliedstaaten der afrikanischen Freihandelszone einfließen.

Was wird konkret umgesetzt?

ADAPT verfolgt das Ziel, bisher voneinander getrennte digitale Systeme über gemeinsame Standards miteinander zu verbinden.

Dabei geht es nicht darum, sämtliche bestehenden staatlichen und privaten Plattformen durch eine einzige Anwendung zu ersetzen.

Stattdessen sollen vorhandene Systeme Informationen kontrolliert austauschen und über Ländergrenzen hinweg verwenden können.

Die Umsetzung konzentriert sich auf drei zentrale Bereiche.

Digitale Identitäten

Unternehmen und Organisationen sollen sich gegenüber Handelspartnern und Behörden zuverlässig digital ausweisen können.

Dadurch könnten wiederholte Prüfungen reduziert und die Echtheit bestimmter Informationen einfacher bestätigt werden.

Eine gemeinsame Identitätsgrundlage wäre insbesondere für Unternehmen relevant, die regelmäßig mit Geschäftspartnern in mehreren afrikanischen Staaten zusammenarbeiten.

Grenzüberschreitender Datenaustausch

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Digitalisierung von Handelsdokumenten.

Rechnungen, Transportnachweise, Zertifikate und andere Dokumente sollen bereits an ihrem Entstehungsort digital erfasst und anschließend berechtigten Beteiligten zugänglich gemacht werden.

Ziel ist es, doppelte Dateneingaben, Medienbrüche und unnötige Dokumentenprüfungen zu reduzieren.

Verbindung von Zahlungssystemen

Der dritte Bereich betrifft den grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr.

ADAPT soll bestehende Bankensysteme und digitale Zahlungsdienste besser miteinander verbinden.

Darüber hinaus sollen die ersten Länder regulatorische Möglichkeiten für digitale Währungen einschließlich Stablecoins untersuchen.

Das bedeutet allerdings nicht, dass ADAPT bereits über ein vollständig integriertes Zahlungssystem verfügt oder Stablecoin Zahlungen in allen drei Ländern produktiv eingesetzt werden.

Entsprechende Funktionen gehören zu den laufenden Entwicklungs- und Prüfungsarbeiten.

Erste organisatorische Fortschritte bestätigt

Die IOTA Foundation berichtete in ihrem zweiten Quartalsbericht 2026 über weitere Fortschritte bei der Umsetzung.

Demnach wurde ADAPT dem zentralen Koordinierungsgremium in Nigeria offiziell vorgestellt. Dabei ging es insbesondere darum, institutionelle Meilensteine und die nächsten Schritte der Zusammenarbeit festzulegen.

Parallel wurden Gespräche mit der International Chamber of Commerce (ICC) über die Gestaltung regulatorischer Testumgebungen geführt.

Solche Testumgebungen können es ermöglichen, neue technische und finanzielle Anwendungen zunächst innerhalb definierter rechtlicher Rahmenbedingungen zu erproben.

Darüber hinaus wurden Gespräche mit internationalen Bankinstituten über Finanzierungsmöglichkeiten und die spätere Ausweitung des Programms aufgenommen.

Diese Entwicklungen zeigen, dass sich die Initiative nicht mehr ausschließlich auf strategische Ankündigungen beschränkt.

Gleichzeitig handelt es sich bei diesen Fortschritten überwiegend um organisatorische, regulatorische und technische Vorbereitungen.

Eine vollständig abgeschlossene Integration der drei nationalen Handelssysteme wurde bislang nicht öffentlich bestätigt.

Warum eine gemeinsame digitale Handelsinfrastruktur wichtig ist

Die Afrikanische Kontinentale Freihandelszone verfolgt das Ziel, den Handel zwischen afrikanischen Staaten zu erleichtern und wirtschaftliche Hindernisse abzubauen.

Ein wesentliches Problem besteht darin, dass Unternehmen trotz bestehender Handelsabkommen häufig mit voneinander getrennten Verwaltungsverfahren, unterschiedlichen Dokumentenanforderungen und nicht kompatiblen digitalen Systemen arbeiten müssen.

Ein Exporteur kann beispielsweise bestimmte Informationen bereits digital erfasst haben, während die zuständige Stelle im Zielland dieselben Angaben erneut benötigt.

Solche Abläufe verursachen zusätzlichen Aufwand und können den Warenverkehr verzögern.

ADAPT soll diese Probleme durch gemeinsame technische Grundlagen verringern.

Wenn ein Unternehmen einen Handelsnachweis digital bereitstellt, könnte dieser künftig von mehreren berechtigten Stellen überprüft werden, ohne dass die Informationen bei jedem Beteiligten vollständig neu erfasst werden müssen.

Besonders kleine und mittlere Unternehmen könnten von einfacheren Verfahren profitieren, da sie häufig nicht über dieselben administrativen und finanziellen Ressourcen wie große internationale Handelsunternehmen verfügen.

Allerdings hängt der tatsächliche Nutzen davon ab, ob die beteiligten Staaten ihre Systeme technisch und rechtlich miteinander verbinden können.

Die Bedeutung von TWIN und IOTA

Für das IOTA-Ökosystem ist ADAPT eines der strategisch bedeutendsten Vorhaben im Bereich internationaler Handelsinfrastruktur.

TWIN soll die gemeinsame technische Grundlage für den Austausch digitaler Handelsinformationen bereitstellen.

Die Infrastruktur ermöglicht es unterschiedlichen Organisationen, Informationen über standardisierte Schnittstellen auszutauschen und dabei festzulegen, welche Beteiligten auf bestimmte Daten zugreifen dürfen.

IOTA ergänzt diesen Ansatz durch Technologien für digitale Identitäten, überprüfbare Nachweise und programmierbare Transaktionen.

Die öffentliche IOTA Layer-1 Infrastruktur kann dabei beispielsweise zur Überprüfung bestimmter digitaler Vorgänge eingesetzt werden.

Wichtig ist jedoch die Unterscheidung zwischen der gesamten Handelsinfrastruktur und den einzelnen Blockchain Funktionen.

Nicht jedes Dokument oder jede Information muss unmittelbar auf dem IOTA Mainnet gespeichert werden.

Ebenso bedeutet die Auswahl von drei Ländern für ADAPT nicht automatisch, dass deren gesamte Handelsabwicklung bereits Transaktionen auf IOTA erzeugt.

Welche Teile der Infrastruktur künftig unmittelbar mit dem IOTA Mainnet verbunden werden und welche Transaktionsvolumen daraus entstehen, ist bislang nicht ausreichend öffentlich dokumentiert.

Welche Rolle spielt die bisherige Arbeit in Kenia?

Die vorhandene Erfahrung aus Kenia ist für die weitere Entwicklung besonders relevant.

Mit TLIP wurde dort bereits an einer Infrastruktur gearbeitet, die Handelsinformationen zwischen Unternehmen und staatlichen Stellen digital austauschen kann.

Im zweiten Quartal 2026 meldete die IOTA Foundation für TLIP Version 1.3.9 eine Erfolgsquote von 95 % über die aktiven Testprofile.

Außerdem wurde die Funktion des dokumentenbezogenen Datenaustauschs zwischen beteiligten Behördenknoten bestätigt.

Solche Erfahrungen können wertvolle Erkenntnisse für ADAPT liefern, etwa bei der Integration bestehender Systeme, der Verwaltung von Zugriffsrechten oder der Zusammenarbeit zwischen öffentlichen und privaten Organisationen.

Allerdings sind TLIP und ADAPT nicht gleichzusetzen.

TLIP ist ein konkretes Projekt für den digitalen Austausch von Handelsinformationen. ADAPT verfolgt einen breiteren Ansatz, der zusätzlich digitale Identitäten und interoperable Zahlungen auf kontinentaler Ebene verbinden soll.

Die bisherigen Fortschritte bei TLIP sind daher eine wichtige technische Grundlage, aber kein Nachweis dafür, dass die ADAPT Infrastruktur bereits vollständig funktioniert.

Wie weit ist ADAPT tatsächlich?

Die bisherigen Veröffentlichungen zeigen einen nachvollziehbaren Fortschritt vom ursprünglichen Konzept hin zur ersten Umsetzungsphase.

Im November 2025 wurde ADAPT als internationale Initiative vorgestellt.

Im Mai 2026 folgte die Auswahl von Kenia, Nigeria und Marokko als erste Länder.

Der Quartalsbericht vom Juli bestätigte anschließend weitere organisatorische Arbeiten und Abstimmungen mit beteiligten Institutionen.

Der jüngste Quartalsbericht der IOTA Foundation vom 13. Oktober 2026 enthält dagegen keine gesonderten neuen Ergebnisse zur Umsetzung von ADAPT in den drei Ländern.

Damit bleibt die öffentliche Informationslage zu konkreten technischen Integrationen und produktiven Anwendungen begrenzt.

Insbesondere fehlen bislang einheitlich veröffentlichte Kennzahlen zu tatsächlich verarbeiteten Handelsdokumenten, beteiligten Unternehmen, grenzüberschreitenden Transaktionen und nachweisbaren Einsparungen.

Auch die häufig genannten wirtschaftlichen Potenziale der Initiative müssen richtig eingeordnet werden.

Prognosen über stark verkürzte Grenzabfertigungen, niedrigere Zahlungsgebühren oder zusätzliche Handelsvolumen beschreiben langfristige Ziele und mögliche Auswirkungen.

Sie sind keine bereits erreichten Ergebnisse der aktuellen Implementierungen.

Welche Herausforderungen stehen noch bevor?

Der langfristige Erfolg von ADAPT hängt nicht allein von der eingesetzten Technologie ab.

Eine gemeinsame Handelsinfrastruktur muss auch mit unterschiedlichen nationalen Gesetzen, Datenschutzvorgaben und wirtschaftlichen Interessen vereinbar sein.

Besonders bei digitalen Identitäten und Zahlungsdiensten sind klare Zuständigkeiten und verlässliche regulatorische Rahmenbedingungen erforderlich.

Hinzu kommt die Frage, wie die Infrastruktur langfristig finanziert und betrieben werden soll.

Auch die Einbindung von Unternehmen ist entscheidend. Eine technisch funktionierende Plattform entfaltet erst dann einen größeren Nutzen, wenn ausreichend Handelspartner, Behörden und Finanzdienstleister tatsächlich daran teilnehmen.

Die ersten drei Länder sollen deshalb nicht nur technische Komponenten erproben, sondern auch Erfahrungen mit der organisatorischen und rechtlichen Umsetzung sammeln.

Aus diesen Erkenntnissen könnte später ein Modell für weitere afrikanische Staaten entstehen.

Was bedeutet ADAPT langfristig für IOTA?

ADAPT bietet IOTA die Möglichkeit, seine Technologien in einem internationalen Infrastrukturprojekt mit erheblicher wirtschaftlicher Reichweite einzubringen.

Die Zusammenarbeit mit dem AfCFTA-Sekretariat und weiteren institutionellen Partnern zeigt, dass digitale Identitäten, überprüfbare Handelsinformationen und dezentrale Technologien zunehmend gemeinsam betrachtet werden.

Für IOTA entsteht daraus ein relevanter potenzieller Anwendungsbereich.

Wie groß die tatsächliche Nutzung des Netzwerks ausfallen wird, lässt sich derzeit jedoch noch nicht zuverlässig bestimmen.

Die Anzahl teilnehmender Staaten ist nicht mit der Anzahl produktiver Blockchain Anwendungen oder der Zahl der Transaktionen auf dem IOTA Mainnet gleichzusetzen.

Ebenso lässt sich aus dem bisherigen Fortschritt keine unmittelbare wirtschaftliche Wirkung auf den IOTA-Token ableiten.

Wichtiger werden deshalb künftig öffentlich überprüfbare Informationen über produktive Integrationen, aktive Unternehmen und tatsächliche Handelsvorgänge sein.

Fazit: Ein wichtiger Schritt mit langfristiger Perspektive

Mit Kenia, Nigeria und Marokko hat ADAPT die ersten Länder für den Aufbau einer gemeinsamen digitalen Handelsinfrastruktur gewonnen.

Die Initiative verfolgt einen umfassenden Ansatz, der Unternehmensidentitäten, Handelsdokumente und grenzüberschreitende Zahlungen miteinander verbinden soll.

Für IOTA und TWIN eröffnet sich damit die Möglichkeit, ihre Technologien in einem wirtschaftlich relevanten internationalen Umfeld einzusetzen.

Die bislang bestätigten Fortschritte betreffen vor allem die Auswahl der Länder, den organisatorischen Aufbau und die Vorbereitung technischer sowie regulatorischer Integrationen.

Der entscheidende nächste Schritt wird sein, die geplanten Systeme in tatsächlich genutzte Handelsprozesse zu überführen und deren Nutzen anhand konkreter Ergebnisse nachzuweisen.

ADAPT ist damit ein langfristig bedeutendes Vorhaben für die Digitalisierung des afrikanischen Handels, dessen praktische Umsetzung gerade erst die Grundlage für eine spätere breitere Nutzung schafft.

Quellen

IOTA News

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